Eine kurze Geschichte über Tante Heide, mich und das Postkarten verschicken:
Bestimmt fragen Sie sich, was ich mir bei dieser Überschrift gedacht habe, weil ihr Inhalt vollkommen überflüssig ist. “Redundant”, würde Tante Heide sagen. Grundsätzlich haben Sie und Tante Heide recht. Auf den ersten Blick. Aber weder Sie, noch Tante Heide kennen die Geschichte hinter diesen Worten.
Menschen sind verschieden …,
das wissen wir alle. Mir zum Beispiel ist es vollkommen gleichgültig, ob jemand an meinen Geburtstag denkt, mir gratuliert, oder womöglich mit einem Riesengeschenk vor der Tür steht. Ganz anders ist meine liebe alte Tante Heide, die ich wirklich sehr mag, weil sie eine ganz außergewöhnliche und sehr gebildete alte Dame ist – mit Stil. Tante Heide hat – wie die meisten Menschen – jedes Jahr Geburtstag. Und der ist ihr ungemein wichtig. Leider vergesse ihn jedes Jahr. “Wenigstens eine Postkarte könntest Du schreiben”, sagt sie dann immer ein wenig vorwurfsvoll. Was ich nicht wirklich nachvollziehen kann.Denn das postkarten verschicken für Geburtstage empfinde ich als vollkommen überflüssig. Trotzdem entschuldige ich mich jedes Jahr und denke: “Wenn meiner Tante Heide das Postkarten versenden so wichtig ist, dann werde ich ihr den Gefallen natürlich tun. Menschen sind so verschieden!” Ich verstehe zwar nicht, was ihr am Postkarten verschicken zum Geburtstag so wichtig ist – vor allem, weil sie schon so viele Geburtstage hatte. Aber vielleicht zu wenige Postkarten, fiel mir dann plötzlich ein.
…Postkarten auch.
Das Postkarten versenden ist nicht meine Stärke. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Nichts gegen Postkarten, aber schon das Adressieren und Frankieren ist ein Problem für mich, beim Postkarten verschicken. Entweder mir fällt gerade nicht die Postleitzahl ein, oder die Briefmarke ist gerade nicht zur Hand. Manchmal fällt mir auch kein Text ein. Und dann auch noch meine furchtbare Handschrift! Nein, das Postkarten verschicken ist wirklich nicht meine Leidenschaft.
Aber weil ich weiß, wie sehr sich Tante Heide über das Postkarten versenden freut, habe ich beschlossen, gleich mehrere schöne Postkarten zu kaufen. Denn noch hatte ich das Datum ihres Geburtstages im Kopf, konnte also die Karten vorbereiten und irgend jemandem anvertrauen, der das Postkarten versenden verantwortungsbewusst und verlässlich übernimmt. Der jeden Tag in seinen Kalender guckt und Kreuzchen vorfindet, wenn er Postkarten verschicken muss. Nach dem Postkarten versenden macht er dann ein Häkchen.
Ich machte mich also auf die Suche nach so eínem Menschen. Aber ich fand keinen. Wenn man keinen Menschen findet, wendet man sich heute vertrauensvoll an das Internet. Aber in der Rubrik “Suche/Diverses” fand sich niemand, der das meine Postkarten verschicken für mich übernehmen wollte. pünktlich versenden wollte. Auch auf die zweite, überarbeitete Anzeige hin, die die Überschrift “Suche absolut zuverlässigen Menschen zum termingerechten Postkarten verschicken – gute Bezahlung!”, meldete sich wieder niemand, der für mich Postkarten verschicken wollte.
Als ich gar nicht mehr an das Postkarten versenden dachte, erhielt ich eine Mail. Die bestand nur aus einem Link: http://www.justintime-cards.de/postkarten-wie-funktioniert-das/blog/blog/jetzt-neu—adressen-export-fuer-excel-und-andere….html. Den Link habe ich in die Browserzeile kopiert. Und nach dem Betätigen der Enter-Taste war sie da: Die Erklärung für die Überschrift, die Sie nicht verstanden haben. Die Postkarte, die anders ist. Oder besser: Die Postkarten, die anders sind. Und die mein Problem mit dem Postkarten versenden auch für die Zukunft gelöst haben. Oder Tante Heides Problem, denn so genau weiß ich nicht, wer eigentlich das Problem hatte. Das ist letztendlich auch gleichgültig, weil Menschen so verschieden sind, wie Postkarten.
Tante Heide jedenfalls bekommt jetzt jeden Monat am 23. eine Postkarte von mir. Keine E-Card: Eine richtige, wunderbare Postkarte. Ich konnte plötzlich Postkarten versenden!! Und pünktlich!! Dass sie nicht mit der Hand beschrieben sind, konnte ich Tante Heide auf der ersten Postkarte erklären. Meine Schrift! Wie soll die jemand lesen können, der schon so viele Geburtstage hatte, dass er immer seine Brille sucht. Und warum ich jeden Monat schreibe? Das war noch leichter zu erklären: Irgendwie müsse ich ja nun endlich einmal das Datum verinnerlichen, schrieb ich. Und das – so wüsste ich – würde beständige Übung und Wiederholung am besten gewährleisten. Das hat mein Lehrer einmal gesagt. Ungefähr 100 Male.
Meine liebe Tante Heide hat sich darüber mehr als gefreut: “Weißt Du, hat sie gesagt, eigentlich ist mir mein Geburtstag jetzt gar nicht mehr wichtig.”
Na gut, habe ich gedacht. Menschen sind eben verschieden – und Postkarten auch. Ich glaube, es war “just in time”, dass ich diese ganz anderen Postkarten gefunden habe. Woher die Mail kam, weiß ich bis heute nicht. Und eine Rechnung habe ich auch noch nicht bekommen.
